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Kapitel 2

Aussagenlogik

Jetzt beginnt der mathematische Teil der KI-Grundlagen. Aussagenlogik ist eine formale Sprache, mit der wir einfache Aussagen präzise beschreiben, verknßpfen und automatisch auswerten kÜnnen. Sie ist ein Fundament fßr symbolische KI, automatische Beweiser, Expertensysteme, digitale Schaltungsprßfung und später auch fßr stärkere Logiken wie die Prädikatenlogik.

Wichtig ist der rote Faden: Wir starten nicht direkt mit Beweisen. Zuerst klären wir, welche Formeln ßberhaupt erlaubt sind. Dann geben wir diesen Formeln Bedeutung. Danach schauen wir, wie aus Wissen neues Wissen folgt. Erst dann kommen Normalformen, Resolution, Hornklauseln und Komplexität.

Abschnitt 5 von 102.3

Folgerung: Aus Wissen neues Wissen ziehen

Wissensbasis und Anfrage

In der KI wollen wir nicht nur Formeln auswerten. Wir wollen aus vorhandenem Wissen neues Wissen ableiten. Dazu verwenden wir eine Wissensbasis und eine Anfrage.

Wissensbasis

WB

WB enthält das Wissen des Systems, zum Beispiel Regeln und Fakten.

Anfrage

Q

Q ist das, was wir wissen oder beweisen wollen.

Beispiel: Eine Wissensbasis könnte enthalten, dass es regnet und dass Regen nasse Straßen verursacht. Die Anfrage könnte lauten: Ist die Straße nass?

Semantische Folgerung

Eine Formel Q folgt aus einer Wissensbasis WB, wenn jede Welt, die WB wahr macht, auch Q wahr macht.

Folgerung

WB ⊨ Q

Alle Modelle von WB sind auch Modelle von Q.

Das bedeutet: Es gibt keine Welt, in der die Wissensbasis stimmt, aber die Anfrage falsch ist.

Deduktionstheorem

Der Zusammenhang zwischen Folgerung und Implikation ist besonders wichtig:

Deduktionstheorem

A ⊨ B genau dann, wenn ⊨ A → B

B folgt aus A genau dann, wenn A → B eine Tautologie ist.

Warum? Die Implikation A → B ist nur dann falsch, wenn A wahr und B falsch ist. Wenn B aber aus A folgt, kann genau diese kritische Welt nicht existieren.

Widerspruchsbeweis

FĂźr automatische Beweise ist der Widerspruchsbeweis noch praktischer:

Widerspruchsbeweis

WB ⊨ Q genau dann, wenn WB ∧ ¬Q unerfüllbar ist

Wenn WB zusammen mit der negierten Anfrage unmĂśglich ist, muss Q aus WB folgen.

Das Verfahren klingt zunächst indirekt, ist aber extrem nßtzlich: Wir nehmen an, Q sei falsch. Wenn diese Annahme zusammen mit der Wissensbasis zu einem Widerspruch fßhrt, dann muss Q wahr sein.

Syntaktische Ableitung und semantische Folgerung

Bisher war ⊨ semantisch: Wir sprechen über alle möglichen Welten. Automatische Beweiser arbeiten aber oft syntaktisch: Sie manipulieren Formeln nach festen Regeln.

Syntaktische Ableitung

WB ⊢ Q

Q kann durch einen KalkĂźl aus WB hergeleitet werden.

Ein KalkĂźl soll zwei Eigenschaften haben:

korrekt

Wenn der KalkĂźl Q ableitet, dann folgt Q auch wirklich semantisch aus WB. Der KalkĂźl produziert keine falschen Folgerungen.

vollständig

Wenn Q semantisch aus WB folgt, dann kann der KalkĂźl Q auch ableiten. Der KalkĂźl Ăźbersieht nichts.

Zwischenfrage

NOVA fragt: Warum braucht ein KI-Beweiser Korrektheit und Vollständigkeit?

Korrektheit verhindert falsche Schlßsse. Vollständigkeit verhindert, dass wahre Folgerungen ßbersehen werden.

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