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Kapitel 2

Aussagenlogik

Jetzt beginnt der mathematische Teil der KI-Grundlagen. Aussagenlogik ist eine formale Sprache, mit der wir einfache Aussagen präzise beschreiben, verknßpfen und automatisch auswerten kÜnnen. Sie ist ein Fundament fßr symbolische KI, automatische Beweiser, Expertensysteme, digitale Schaltungsprßfung und später auch fßr stärkere Logiken wie die Prädikatenlogik.

Wichtig ist der rote Faden: Wir starten nicht direkt mit Beweisen. Zuerst klären wir, welche Formeln ßberhaupt erlaubt sind. Dann geben wir diesen Formeln Bedeutung. Danach schauen wir, wie aus Wissen neues Wissen folgt. Erst dann kommen Normalformen, Resolution, Hornklauseln und Komplexität.

Abschnitt 7 von 102.4

Resolution: Beweisen durch Widerspruch

Die Idee der Resolution

Resolution ist eines der wichtigsten automatischen Beweisverfahren fßr Logik. Sie arbeitet auf Formeln in KNF und versucht, aus WB ∧ Q einen Widerspruch herzuleiten.

Eine einfache Resolutionsregel lautet:

Resolutionsregel

(A ∨ B), (¬B ∨ C) ⟹ (A ∨ C)

B und B sind komplementär. Sie werden entfernt, die ßbrigen Literale werden vereinigt.

Die abgeleitete Klausel heißt Resolvente.

Allgemeine Form

Allgemeine Resolution

(A₁ ∨ ... ∨ Aₘ ∨ B), (¬B ∨ C₁ ∨ ... ∨ Cₙ) ⟹ (A₁ ∨ ... ∨ Aₘ ∨ C₁ ∨ ... ∨ Cₙ)

Ein komplementäres Literalpaar wird gelÜscht. Alle ßbrigen Literale bilden die neue Klausel.

Wenn am Ende die leere Klausel entsteht, wurde ein Widerspruch gefunden.

Leere Klausel

□

Die leere Klausel bedeutet: Diese Klauselmenge ist unerfĂźllbar.

Resolution als verallgemeinerter Modus Ponens

Der Modus Ponens ist die vertraute Regel:

Modus Ponens

A, A → B ⟹ B

Wenn A gilt und aus A B folgt, dann gilt B.

In Klauselform kann A → B als ¬A ∨ B geschrieben werden.

1. A
2. A ∨ B

Resolution:
Res(1,2): B

Man sieht: Resolution kann den Modus Ponens nachbilden, ist aber allgemeiner.

Warum Widerspruchsbeweis?

Um zu zeigen, dass Q aus WB folgt, beweisen wir nicht direkt Q. Wir fĂźgen die negierte Anfrage ÂŹQ zur Wissensbasis hinzu. Wenn daraus ein Widerspruch folgt, kann ÂŹQ nicht stimmen.

Resolution-Beweis

WB ⊨ Q ⇔ WB ∧ ¬Q ist unerfüllbar

Resolution sucht dann syntaktisch nach der leeren Klausel.

Mini-Rätsel: Newcastle, Paris, Spanien

Ein klassisches Logikrätsel zeigt, wie Formalisierung, KNF und Resolution zusammenspielen. Wir benutzen:

Variablen

S = Wir fahren nach Spanien. N = Wir kommen aus Newcastle. P = Wir haben in Paris angehalten.

Die Aussagen der Familie werden in Aussagevariablen Ăźbersetzt.

Nach der Formalisierung und Umformung erhält man eine Wissensbasis in KNF:

WB ≡ (S ∨ N)₁ ∧ (¬S)₂ ∧ (P ∨ N)₃ ∧ (¬N ∨ P)₄

Jetzt kann Resolution neue Klauseln ableiten:

Res(1,2): (N)₅
Res(3,4): (P)₆
Res(1,4): (S ∨ P)₇

Daraus sieht man: Die Familie kommt aus Newcastle und hat in Paris angehalten. Zusätzlich ist S bereits als Klausel vorhanden: Sie fährt nicht nach Spanien.

NOVA beweist

NOVA fragt: Warum ist die Formalisierung oft schwieriger als der eigentliche Beweis?

Weil natßrliche Sprache mehrdeutig ist. Wenn die Variablen oder Regeln falsch gewählt werden, beweist der Kalkßl sauber das Falsche.

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